Der Psychoanalytiker Walter Franzetti, dem ich meinen Text zur Durchsicht vorlegte, hält es für richtig, diese Aussage zu relativieren. So habe Freuds Biograph Jones geschrieben, Freud hätte in der ersten Studienzeit eine Phase des radikalen Materialismus durchgemacht, die aber nach dem Besuch der Vorlesungen bei Brentano und Meynert zu Ende gewesen sei. Freud habe 1895 eine (nie veröffentlichte) Broschüre geschrieben, in welcher er physiologische Begriffe auf psychische Vorgänge übertrug, und dann eingesehen, dass dies zu nichts führe. – Sicher ist, dass Freud zeitlebens ein Suchender war. Seinen Atheismus (Religion ist eine Illusion) hat er nie aufgegeben. In einem seiner letzten Werke (Abriss der Psychoanalyse, 1938) verweist er die angesprochenen Grundfragen in den Bereich der Philosophie (wo sie natürlich auch hingehören) und beschränkt er sich auf die Feststellung, dass uns "von dem, was wir Psyche (Seelenleben) nennen", zweierlei benannt sei, nämlich das Gehirn (Nervensystem) als körperliches Organ desselben auf der einen Seite und die ‘Bewusstseinsakte’ auf der andern. "Alles dazwischen ist uns unbekannt, eine direkte Beziehung zwischen beiden Endpunkten unseres Wissens nicht gegeben. Wenn sie bestünde, würde sie höchstens eine genaue Lokalisation der Bewusstseinsvorgänge liefern und für deren Verständnis nichts leisten."

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